Gewässer- und Freiraumplanung im Rahmen des Wiederaufbaus, Teil 1 (Walporzheim, Ahrweiler, Bachem)
Heute steht ein Plan zur Abstimmung, der wohl wie kaum ein anderer das gesamte Stadtbild für die Zukunft prägen wird. Mit der Gewässer- und Freiraumplanung wird der gesamte Bereich rund um die Ahr neu geplant. Um ein paar Beispiele zu nennen:
In Walporzheim werden Sport‑, Spiel- und Naturerfahrungsräume geschaffen, die bei Bedarf überflutet werden können, um der Ahr den Raum zu geben, den sie braucht. So wird die Bebauung geschützt. Als Teil des Ahr-Radweges wird die Ahruferstraße dabei zur Fahrradstraße.
Wie hier wird die Chance überall entlang des Stadtgebietes genutzt, jetzt einen durchgehenden, konsequent geplanten Ahr-Radweg aufzubauen. Statt Straßen zu kreuzen, wird der Radweg nun vorwiegend unter den Brücken entlang geführt. Das hilft nicht nur dem Freizeitverkehr, sondern insbesondere die Schul- und Kitawege werden deutlich sicherer.
Der gesamte Vorplatz des Ahrtors wird bei der Wiederherstellung neu gestaltet und vielen Funktionen gleichzeitig gerecht. Schulverkehr per Rad und Bus, Veranstaltungsfläche, Anlaufstelle für Reisebusse, hochwertiger Aufenthaltsort mit Zugang zur Ahr, Parkplätze für Pkw und Fahrräder, die zum Besuch der Innenstadt einladen und das alles mit klimaangepasstem Bauen im Blick.
Dazu gehört auch eine Fortsetzung der geplanten Fahrradschutzstreifen der Ramersbacher Straße, über den Vorplatz und weiter entlang der Friedrichstraße. Das schafft in Ergänzung zur Ost-West-Achse des Ahr-Radweges auch eine wichtige Nord-Süd-Achse. Es ist ein weiterer richtiger Schritt zu einer fahrradfreundlichen Stadt, wobei wir auch die Parkplatzsituation vor Ort im Blick behalten müssen.
Auch die Anregungen aus dem Ortsbeirat Ahrweiler bezüglich der Gestaltung der L84 sollten hier weiter mitgedacht werden, um eine verkehrsberuhigende Wirkung zu entfalten.
Weiter ahrabwärts folgen dann weitere Spiel- und Sportflächen, die von Vereinen und Schulen benötigt werden und zeitgleich als Überflutungsfläche dienen. Auch wenn das Ahrstadion nicht mehr in seiner alten Größe erbaut werden kann, so wird zumindest ein Kleinspielfeld für die Jugend Platz finden.
Der Bereich des Bachemer Bachs wird durch eine Renaturierung ökologisch aufgewertet und bietet einen guten Zugang zur Natur und der Ahr.
Insgesamt ist die Ökologie im Gewässer im Zusammenspiel mit dem Hochwasserschutz ein essentielles Thema. Denn das gesamte Gelände muss einerseits für vereinzelte Hochwasser vorbereitet sein. Das heißt die Sohle wird verbreitert, die Umgebung abgesenkt, Fließhindernisse aus dem Weg geräumt und vieles mehr. Der komplette Ahr-Abschnitt ist in 3D digitalisiert erfasst und die Lage für verschiedene Hochwasserszenarien kann genau abgeschätzt werden. Alles ist aufeinander abgestimmt, damit wir in Zukunft doppelt so große Wassermengen wie bisher schadlos durch die Stadt leiten können.
Gleichzeitig müssen wir die Ahr aber auch auf wochenlanges Niedrigwasser in immer heißeren Sommern vorbereiten. Hier gilt es, das Leben im Wasser zu erhalten.
Dieses Kunststück gelingt mit einer mäandernd angelegten Niedrigwasserrinne, sodass sich natürliche Kiesbänke bilden, die ökologisch wertvollen Lebensraum bieten.
An diesen Beispielen sieht man, wie viele Interessen hier aufeinandertreffen. Ökologische Aufwertung, Aufenthaltsqualität, Sport- und Freizeitangebote, sichere Schulwege und vieles mehr.
In der Priorität ganz oben steht für uns jedoch stets der Hochwasserschutz. Der Schutz von Leib und Leben steht über allem.
Umso bitterer ist es, dass wir gerade hier, beim technischen Hochwasserschutz, nur unter Vorbehalt der Finanzierbarkeit zustimmen können.
Denn die Förderung präventiven technischen Hochwasserschutzes aus dem Wiederaufbaufonds ist hier im Land Rheinland-Pfalz noch immer nicht abschließend geklärt. Während in Nordrhein-Westfalen, auf Basis der gleichen Bundesvorgabe, längst ein rechtssicherer Rahmen zur Finanzierung solcher essentiellen Maßnahmen getroffen wurde, herrscht hier nach wie vor Unklarheit.
Wir haben unsere Hausaufgaben gemacht und einen Plan erstellt, wie wir mit den verdoppelten Kennwerten für das HQ100 umgehen können.
Durch diese bürokratische Hängepartie stehen jedoch wichtige Maßnahmen auf der Kippe und es könnte unsere Planungen an vielen Stellen um Jahre zurückwerfen. Für uns ein untragbarer Zustand, da der Schutz der Bevölkerung keinerlei weiteren Aufschub duldet.
Auch wenn wir hier noch auf eine positive Lösung hoffen müssen, können wir angesichts der Planungen positiv in die Zukunft blicken.
Auf jeder Seite merkt man dem Plan an, mit wie viel Leidenschaft und Sachverstand er erstellt wurde. Es sind die richtigen Kompromisse gefunden worden und auch wenn der Weg bis zur fertigen Umsetzung noch weit ist, am Ende wird unsere Stadt besser dastehen als zuvor.
Wir als CDU-Fraktion möchten uns ausdrücklich bei allen bedanken, die an der Planung und Ausarbeitung dieses Konzepts beteiligt waren. Ebenso gilt unser Dank allen, die seit der Flutkatastrophe mit großem Einsatz, Sachverstand und Engagement an der Erneuerung und Weiterentwicklung unserer Stadt mitwirken.
Der Wiederaufbau unserer Stadt ist eine gemeinsame Aufgabe, die uns seit der Flut bewegt und auch in Zukunft fordern wird. Dieser Plan zeigt, dass wir aus der Vergangenheit gelernt haben und mit Verantwortung und Weitblick nach vorne schauen.
